06
Jun
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Viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch zum Kunden. Zumindest, wenn man die wechselnden Versandexperimente des Online-Riesen Amazon betrachtet.

Als Gigant des E-Commerce ist das US-Unternehmen ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, den neuen Anforderungen des Versandhandels gerecht zu werden. Und dabei geht es vor allem um eines: Kundenzufriedenheit. Der große Vorteil im Internet, jederzeit bestellen zu können, soll nämlich nicht durch nerviges Abholen der Ware beim Nachbarn verdorben werden. Vielmehr muss die Bestellung verlässlich und zu möglichst abgestimmten Zeiten zum Kunden gelangen.

Auch unpünktliche Zustellungen durch bereits etablierte Paketdienste sind aus Sicht Amazons bei diesem Leistungsanspruch ein Problem. Verspätete Lieferungen gefährden nämlich das Versprechen der Zustellung innerhalb von 48 Stunden und schrecken so die wertvollen Prime-Kunden ab, die den besonders flotten Dienst mit höheren Versandkosten bezahlen. Ein Problem, dem Amazon durch Kreativität und Experimentierfreude längst den Kampf angesagt hat.

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Die wohl ausgefallenste Idee stellte Amazon Ende 2013 vor, als die Auslieferung per Drohne getestet wurde. „Prime Air“ wurde der Dienst genannt, dessen Konzept simpel war: Die unbemannten Flugobjekte sollen Pakete von einem Gewicht bis ca. 2,3 kg direkt beim Kunden absetzen. So sollte die Luftlinie die Auslieferungszeit verkürzen, da der lästige Verkehr, gerade in Großstädten, umgangen wird. Ein Patent wurde beantragt, allerdings rückten Auflagen der US-amerikanischen Flugaufsichtsbehörde den Start des ehrgeizigen Projektes erst mal in die ungewisse Zukunft.

Weniger futuristisch mutete dagegen das Konzept an, welches in Zusammenarbeit mit Audi und DHL gestartet wurde. Statt zum Briefkasten sollen die Pakete in den Kofferraum der Kunden geliefert werden. Hierzu kann der Zusteller den Kofferraum des Fahrzeuges per App öffnen, um die Bestellung dann einfach und direkt beim Kunden abzuliefern. Vorerst nur als Pilotprojekt geplant sollte das Konzept ab Anfang Mai im Raum München getestet werden.

Die letzte Maßnahme zur zuverlässigen Zustellung der eigenen Pakete ist auch gleichzeitig die herkömmlichste: Einem im Mai 2015 gestreuten Gerücht zufolge plane Amazon den Aufbau eines eigenen Lieferservices in Deutschland. In den USA ist ein solches Konzept für das Angebot Amazon-Fresh bereits umgesetzt worden. Hier fahren die hauseigenen Lastwagen durch Städte und liefern E-Food. So begegnete Amazon den Problemen, die vor allem mit der Auslieferung von Lebensmitteln einhergehen. Ein ähnlicher Dienst soll nun auch für alle Pakete geplant sein.

Ob es sich tatsächlich nur um ein Gerücht handelt, bleibt dabei zunächst fraglich. Bisher hat Amazon die Behauptung weder bestätigt noch bestritten. Was auf den Spiel steht, ist jedoch klar: Millionen durch Amazon selbst ausgelieferte Pakete könnten den Umsatz der Partner DPD und DHL künftig schmälern und für langfristige Konkurrenz sorgen.

Welche der vorgestellten Ideen nun Marketing-Gags waren, Experimente bleiben oder tatsächlich den Versandhandel revolutionieren werden, ist vorerst fraglich. Nur die Zukunft wird Gewissheit schaffen.

Christoph Rodak

Christoph Rodak

Nach jahrelanger Erfahrung im Shopdesign gründete Christoph Rodak die Mosta Media GmbH und die Webdesign Agentur Spreepixel. Mit zwei wachen Augen auf den rasanten Alltag im E-Commerce informiert unser Geschäftsführer über Neuigkeiten und gibt Tipps zur Shop-Optimierung.

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